10. November 2020 · Kinderwunsch-Wissen

Progesteron – mehr als ein Schwangerschaftshormon

In all meinen Beratungen zur Hormongesundheit hatte ich noch keine einzige Frau mit einem zu hohen Progesteronspiegel. Dafür aber unzählige mit einem Progesteronmangel.

Das zeigt, wie weit verbreitet ein Progesteronmangel ist und das ist ein großes Problem. Denn ein Mangel sorgt für ein hormonelles Ungleichgewicht, was viele gesundheitliche Probleme nach sich ziehen kann.

Was macht Progesteron im Körper?

Progesteron ist als Schwangerschaftshormon bekannt, hat aber auch unabhängig von einer Schwangerschaft viele Funktionen.

Ein gesunder Progesteronspiegel unterstützt unsere Gesundheit auf mehrere Art und Weise:1

Ich nenne Progesteron gerne den großen Beruhiger:

Es verlangsamt dich, macht dich vorsichtiger und sorgt dafür, dass du zuhause bleiben willst und dich ausruhen möchtest.

Progesteron sorgt im Wesentlichen dafür, dich zu beschützen, falls du schwanger bist.

Es verlangsamt nicht nur dich, sondern du kannst auch feststellen, dass es deine Verdauung verlangsamt, was auch Verstopfung verursachen kann. Dies mag eine gute Sache sein für den Fall, dass du schwanger bist. Denn Progesteron tut das, damit dein Darm mehr Zeit hat, Nährstoffe aus der Nahrung zu extrahieren und aufzunehmen, um so den sich entwickelnden Embryo zu unterstützen.

Was sind die Ursachen für einen Progesteronmangel?

Es gibt viele Faktoren, die einen Mangel an Progesteron begünstigen. Viele davon sind im Alltag der meisten Frauen allgegenwärtig:

All diese Dinge beeinflussen den Eisprung und ohne regelmäßigen Eisprung ist es unmöglich, einen hohen Progesteronspiegel aufrechtzuerhalten. Daher ist es also nicht verwunderlich, dass ein Progesteronmangel so weit verbreitet ist.

Wenn du also die Progesteronproduktion deines Körpers unterstützen willst, musst du die Ovulationsfähigkeit deines Körpers unterstützen.

Wenn es dich jetzt interessiert, wie es dir gelingt, die Ovulationsfähigkeit deines Körpers zu unterstützen, dann solltest du die folgenden Tipps aufmerksam lesen:

1) Baue Stress ab.

Wenn du unter chronischem Stress stehst, beginnt dein Körper große Mengen Cortisol auszuschütten. Cortisol und Progesteron binden an die gleichen Rezeptoren. Zu viel Cortisol verdrängt also Progesteron, wodurch Progesteron nicht wirken kann.5

Zudem werden Cortisol und Progesteron aus dem gleichen Master-Hormon (Pregnenolon) hergestellt, so dass, wenn der Cortisolspiegel hoch ist, der Körper die Produktion von Progesteron herunterfährt.

Daher ist es wichtig, dass du aktives Stressmanagement betreibst und dich mit deinen Stressoren beschäftigst.

2) Stoppe die Einnahme der Pille.

Wenn du ein kombiniertes hormonelles Verhütungsmittel einnimmst, das sowohl Östrogen als auch Gestagen enthält, hast du keinen Eisprung.6

Kein Eisprung bedeutet keine Schwangerschaft. Der Kompromiss ist, dass dein Körper kein Progesteron produziert und die Blutung, die du während deines (Schein-)Zyklus erlebst, keine echte Periode ist. Die Blutung in der pillenfreien Phase ist eine Abbruchsblutung oder auch Entzugsblutung.

Auch wenn du eine hormonelle Empfängnisverhütung mit „Progesteron“ einnimmst, wirst du nicht die oben erwähnten gesundheitlichen Vorteile durch Progesteron erfahren. Denn Verhütungsmittel wie die Pille enthalten lediglich synthetisches Progestin, was nicht die gleiche Wirkung hat.

Dein Körper produziert nur dann Progesteron, wenn du ovulierst, was du nun einmal nicht tust, wenn du die Pille einnimmst. Das Absetzen eines hormonellen Verhütungsmittels besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

3) Iss Lebensmittel, die die Progesteronproduktion unterstützen

Vitamin-B6 und Zink sind für die Wirkung von Progesteron wichtig.7

Bananen, Bohnen, Vollkorn, Spinat, Brokkoli und Grünkohl sind reich an diesen Nährstoffen. Auch Sonnenblumenkerne und Sesam sind reich an Vitamin B6 und Zink. Sie sollen die Progesteronproduktion anregen, was als „Seed Cycling“ bekannt ist. Solltest du über Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin B6 oder Zink nachdenken, kläre Einnahme und Dosierung bitte vorab ärztlich ab.

4) Schlafe ausreichend.

Schlafmangel wirkt sich auf deinen Körper in vielerlei Hinsicht aus. Unter anderem sorgt er für eine Erhöhung des Cortisolspiegels. Wenn du zu wenig schläfst, steigt Cortisol. Da wären wir also wieder bei Punkt 1 meiner Tipps.

Um deine Schlafqualität zu verbessern solltest du die Nutzung all deiner elektrischen Geräte mit Blaulicht wie Handy, Fernseher etc. mindestens zwei Stunden vor dem Zubettgehen einstellen. Außerdem solltest du eine Zubettgeh-Routine einführen, wie z. B. eine Tasse Tee trinken und ein paar Seiten in einem Buch lesen. Vor allem solltest du in kompletter Dunkelheit schlafen.

5) Versuche es mal mit Mönchspfeffer.

Mönchspfeffer kann Progesteron erhöhen, indem es die Hypophyse unterstützt. Eine der Hauptfunktionen der Hypophyse ist es, den Eierstöcken zu signalisieren, wie viel von bestimmten Hormonen sie produzieren müssen.

Mönchspfeffer kann auch die Sekretion des luteinisierenden Hormons (LH) erhöhen und das Wachstum des Gelbkörpers stimulieren, was wiederum die Produktion von Progesteron erhöhen kann.8 Viele Frauen berichten nach etwa drei Monaten von einer Besserung – die Wirkung ist jedoch individuell verschieden. Bitte kläre die Einnahme und Dosierung von Mönchspfeffer vorab ärztlich ab.

(Kleine Anmerkung zum Mönchspfeffer: Er ist nicht für jede Frau geeignet, besonders nicht für diejenigen, die Traurigkeit als ihr primäres PMS-Symptom erleben. Wenn das nach dir klingt, kann die Einnahme von Mönchspfeffer die Stimmung zusätzlich verschlechtern – auch deshalb gehört die Einnahme in ärztliche Begleitung.)

Fazit: Ein Progesteronmangel stört das hormonelle Gleichgewicht

Progesteron hat einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Ein weiteres wichtiges Hormon ist Östrogen. Viele Frauen leiden unter einer Östrogendominanz. Bei gleichzeitigem niedrigem Progesteronspiegel bedeutet das, dass zwei wichtige Hormone aus dem Gleichgewicht sind.

Im Artikel über Östrogendominanz erfährst du, was du tun kannst, um deinen Östrogenspiegel zu kontrollieren.

Quellen

1) Cable JK, Grider MH. Physiology, Progesterone. StatPearls Publishing; 2020. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32644386. Abgerufen am 12. Oktober 2020. ↩

2) Schliep KC, Mumford SL, Vladutiu CJ, et al. Perceived Stress, Reproductive Hormones, and Ovulatory Function. Epidemiology. 2015;26(2):177-184. doi:10.1097/EDE.0000000000000238 ↩

3) Fiad TM, Cunningham SK, McKenna TJ. Role of progesterone deficiency in the development of luteinizing hormone and androgen abnormalities in polycystic ovary syndrome. European Journal of Endocrinology. 1996;135(3):335-339. doi:10.1530/eje.0.1350335 ↩

4) Hughes GC. Progesterone and autoimmune disease. Autoimmunity Reviews. 2012;11(6-7):A502-A514. doi:10.1016/j.autrev.2011.12.003 ↩

5) Karalis K, Goodwin G, Majzoub JA. Cortisol blockade of progesterone: A possible molecular mechanism involved in the initiation of human labor. Nature Medicine. 1996;2(5):556-560. doi:10.1038/nm0596-556 ↩

6) Inhibition of ovulation by gestagens – PubMed. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/274856/. Abgerufen im Oktober 2020. ↩

7) Habib FK, Maddy SQ, Stitch SR. Zinc induced changes in the progesterone binding properties of the human endometrium. Acta Endocrinologica. 1980;94(1):99-106. doi:10.1530/acta.0.0940099 ↩

8) Shaw S, Wyatt K, Campbell J, Ernst E, Thompson-Coon J. Vitex agnus castus for premenstrual syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews. March 2018. doi:10.1002/14651858.CD004632.pub2 ↩

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